Broschüren der alten Berliner NOlympia Kampagne

Autonomes Anti-Olympia Komitee (AOK): Volxsport statt Olympia (1. Auflage mit 40 Seiten, schwarz-weiß, 4,9 MB)

Die 2., überarbeitete Auflage mit 60 Seiten gibt’s beim neuen Bündnis NOlympia Berlin.

Berlin 2000 NOlympic City (schwarz-weiß, 4,5 MB) – die unmissverständliche Antwort auf die offizielle Berliner Bewerbungsbroschüre an das IOC.

Das Konzept Imagebeschmutzung: NOlympics Amsterdam

Die Berliner NOlympia-Kampagne setzte damals recht spät an, nämlich nach der Nominierungs Berlins durch den Deutschen Olympischen Sportbund für die Bewerbung beim IOC. Dadurch war klar: Zur Ablehnung Berlins musste dem IOC, also internationalen Sportfunktionären, klar gemacht werden, dass Olympische Spiele in Berlin einen blamablen Ausgang haben würden. Oder anders: Dass sich Berlin ganz und garnicht für die Ausrichtung der Spiele eigne. Am leichtesten war dies dadurch zu erreichen, das Ansehen Berlins den Funktionären gegenüber in den Dreck zu ziehen – Berlins internationales Image zu beschmutzen.

Für diese Strategie gab es ein Vorbild: Die Bewerbung Amsterdams für die olympischen Spiele 1992 war acht Jahre zuvor in einem Desaster geendet, und zwar gerade auch wegen einer besonders dreisten autonomen NOlympics Kampagne, die die Imagebeschmutzung als wichtigesten Ansatz wählte.

Im Text „Das Konzept Imagebeschmutzung – NOlympics, die Bonzen und der Pöbel“ wird die Amsterdamer NOlympics Kampagne recht schonungslos, aber dafür mit allerlei Verve beschrieben. Der Text erschien 1990, also rechtzeitig vor Beginn der Berliner Kampagne, in einem niederländischen Sammelband, der 1991 auf deutsch übersetzt und veröffentlicht wurde: „Agentur Bilwet: Bewegungslehre – Botschaften aus einer autonomen Wirklichkeit“.

Mehr (N)Olympia-Bärchen


Ach ja, hier das Original:

Vor 20 Jahren: NOlympia

Die Jahre 1992/93 waren nicht nur von krassem Naziterror und zahlreichen Morden an Migrant/innen geprägt. In Berlin tobte in dieser Zeit auch die Frage: Wird Olympia 2000 in Berlin ausgerichtet werden? Die Bewerbung der Stadt war ein klassisches Beispiel für die Festivalisierung der Stadtpolitik. Über die Begeisterung und den Termindruck eines solchen beliebten Massenevents versuchte man einerseits große städtische Infrastrukturprojekte durchzudrücken, ohne sie einzeln legitimieren zu müssen. Andererseits war das Ziel, international für Berlin als Tourismusziel und Wirtschaftsstandort zu werben.

Gegen die Bewerbung der Stadt richtete sich ein diffuses Bündnis, das von Oppositionsparteien über Kleingartenvereinen bis hin zur Autonomen Szene reichte. Für letztere zog das Anti-Olympia-Komitee im Jahr darauf Bilanz und erklärte in einem recht umfangreichen, aber doch gut lesbaren Text „was gut, was schlecht und warum gewesen ist“. Immerhin konnte man sich rühmen, Olympia 2000 in Berlin (mit) verhindert zu haben.

Als historische Dokumentation gibt es hier diese Bilanz aus den Interim-Nummern 273/274 als PDF-Dokument herunterzuladen (1,2 MB):
AOK informiert 2/94: Die Kampagnenhelgas/hägars

Gut geeignet zum gegenchecken: Eine Chronologie der Ereignisse der NOlympia-Kampagne

Mediales Reißen um feurigen Aktionismus

In Berlin werden nachts immer häufiger Autos in Brand gesetzt.

Das schrieb Ulrich Schmid nicht etwa während der autonomen Actionweeks, sondern gerade erst vor ein paar Tagen in der Neuen Züricher Zeitung. Warum also gerade jetzt, wo das Phänomen brennende-Luxusautos-in-Aufwertungsgebieten kaum (noch) bemerkbar ist?

Nachrichten brauchen manchmal sehr lange, um Entfernungen zu überwinden. Wie im Februar, als in New York über die Brandsätze in Berlin berichtet worden ist, erfolgt auch in diesem Fall die überregionale Berichterstattung passend zur Sendepause – kaum brennende Autos zu vermelden in den letzten Wochen in Berlin. Auch der Anschlag auf ‚Bärenmenü‘, laut NZZ-Artikel „vor ein paar Tagen“, lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schon anderthalb Monate zurück.

Derweil wird (weil Saure-Gurken-Zeit) munter weiter diskutiert. Da Bekennerschreiben eher die Ausnahme denn Regel sind, muss viel spekuliert werden. Anzunehmen ist jedenfalls mittlerweile eine Menge Trittbrettfahrerei: Die vielen reißerischen und mit tollen Feuerbildern bestückten Presseberichte dürften nicht nur erlebnishungrige Jugendliche angestachelt haben (und damit eine zunehmend wahllose Anzünderei), auch Krise und Abwrackprämie werden so manchen klammen Autobesitzer überzeugt haben, dass von der Versicherung mehr zu holen ist als auf dem Gebrauchtwagenmarkt.

Gewalt gegen Reichtum und Macht verkörpende Sachen ist seit den 80ern in der linksradikalen Szene Berlins angesagt, einer Szene, in der viele „Autonomie“ als Weg und Ziel, Militanz als Fortbewegungsmittel ansehen. Nur sind die massenmilitanten Zeiten längst vorbei, der Fahndungsdruck ist groß. Autos anzünden und Farbbeutel werfen sind als massenkompatible „Kampfformen“ übrig geblieben, da sie schnell und heimlich durchführbar sind: Geringes Risiko erwischt zu werden. CDU und FDP drehen (wider besseren Wissens) dem Senat daraus einen mangelnden Willen zur Strafverfolgung.

Die brennenden Autos sind aber keine Kampagne gegen Reichtum an sich. Schließlich brennt es ja gerade nicht in den Vierteln, in denen der Reichtum zu Hause ist. Vielmehr wenden sich (jedenfalls die sich äußernden) Brandschatzer gegen die Aufwertung von bislang einkommensschwachen Vierteln und daraus resultierende steigende Mieten. Da die Aufwertungsprozesse aber so weit und stark sind, kann es den Akteuren nur um Symbolik gehen – ein abschreckende Symbolik. Und das geht wiederum nur mithilfe reißerischer Medien.

Dass vor lauter Symbolauseinandersetzungen die Betroffenen völlig unter gehen, ihr Schaden und ihre Angst billigend in Kauf genommen werden, zeigt jedoch die Kurzsichtigkeit der Brandsetzer. Was soll es auch bringen, „Reiche“ anzugreifen – die gesellschaftlichen Regeln, die (wesentlich verschärft seit Rot-Grün) Reiche zunehmend reicher und Arme zunehmend ärmer lassen werden, sind das Problem, nicht die „Reichen“ selbst.