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Mediales Reißen um feurigen Aktionismus

In Berlin werden nachts immer häufiger Autos in Brand gesetzt.

Das schrieb Ulrich Schmid nicht etwa während der autonomen Actionweeks, sondern gerade erst vor ein paar Tagen in der Neuen Züricher Zeitung. Warum also gerade jetzt, wo das Phänomen brennende-Luxusautos-in-Aufwertungsgebieten kaum (noch) bemerkbar ist?

Nachrichten brauchen manchmal sehr lange, um Entfernungen zu überwinden. Wie im Februar, als in New York über die Brandsätze in Berlin berichtet worden ist, erfolgt auch in diesem Fall die überregionale Berichterstattung passend zur Sendepause – kaum brennende Autos zu vermelden in den letzten Wochen in Berlin. Auch der Anschlag auf ‚Bärenmenü‘, laut NZZ-Artikel „vor ein paar Tagen“, lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schon anderthalb Monate zurück.

Derweil wird (weil Saure-Gurken-Zeit) munter weiter diskutiert. Da Bekennerschreiben eher die Ausnahme denn Regel sind, muss viel spekuliert werden. Anzunehmen ist jedenfalls mittlerweile eine Menge Trittbrettfahrerei: Die vielen reißerischen und mit tollen Feuerbildern bestückten Presseberichte dürften nicht nur erlebnishungrige Jugendliche angestachelt haben (und damit eine zunehmend wahllose Anzünderei), auch Krise und Abwrackprämie werden so manchen klammen Autobesitzer überzeugt haben, dass von der Versicherung mehr zu holen ist als auf dem Gebrauchtwagenmarkt.

Gewalt gegen Reichtum und Macht verkörpende Sachen ist seit den 80ern in der linksradikalen Szene Berlins angesagt, einer Szene, in der viele „Autonomie“ als Weg und Ziel, Militanz als Fortbewegungsmittel ansehen. Nur sind die massenmilitanten Zeiten längst vorbei, der Fahndungsdruck ist groß. Autos anzünden und Farbbeutel werfen sind als massenkompatible „Kampfformen“ übrig geblieben, da sie schnell und heimlich durchführbar sind: Geringes Risiko erwischt zu werden. CDU und FDP drehen (wider besseren Wissens) dem Senat daraus einen mangelnden Willen zur Strafverfolgung.

Die brennenden Autos sind aber keine Kampagne gegen Reichtum an sich. Schließlich brennt es ja gerade nicht in den Vierteln, in denen der Reichtum zu Hause ist. Vielmehr wenden sich (jedenfalls die sich äußernden) Brandschatzer gegen die Aufwertung von bislang einkommensschwachen Vierteln und daraus resultierende steigende Mieten. Da die Aufwertungsprozesse aber so weit und stark sind, kann es den Akteuren nur um Symbolik gehen – ein abschreckende Symbolik. Und das geht wiederum nur mithilfe reißerischer Medien.

Dass vor lauter Symbolauseinandersetzungen die Betroffenen völlig unter gehen, ihr Schaden und ihre Angst billigend in Kauf genommen werden, zeigt jedoch die Kurzsichtigkeit der Brandsetzer. Was soll es auch bringen, „Reiche“ anzugreifen – die gesellschaftlichen Regeln, die (wesentlich verschärft seit Rot-Grün) Reiche zunehmend reicher und Arme zunehmend ärmer lassen werden, sind das Problem, nicht die „Reichen“ selbst.

What Real Estate Business did to the Moon

Immer und immer wieder schaue ich auf meinen nächtlichen Touren durch die Stadt zum hell strahlenden Mond hinauf
und blicke doch nur auf ein Neon-Werbeschild, das an einem der zahlreichen Baukräne hängend das Emblem eines Baukonzerns auf meine Netzhaut wirft.

Neulich jedoch sah ich spät abends auf dem Nachhauseweg zu einem dieser Neonschilder hoch
und erkannte – kein Kran weit und breit – den Schein des traurigen Mondes.
Er wirkte kraftlos und hatte all seinen Glanz verloren.

Seitdem bin ich sauer.